Zeit, wo bist du hin…

„Jetzt ist es heraus: Jahre ihres Lebens vergeuden die Amerikaner mit nutzlosem Tun: Fünf verbringen sie in Warteschlangen, eines auf der Suche nach verlegten Gegenständen, ein halbes vor roten Ampeln. Beim Lesen von Postwurfsendungen, so eine Studie aus Pittsburgh, gehen acht Monate drauf, zwei Jahre gar beim vergeblichen Versuch, jemanden telefonisch zu erreichen.

Auf der Strecke bleibt Zwischenmenschliches: nicht länger als vier Minuten dauert das alltägliche Gespräch zwischen Eheleuten; Kindern berufstätiger Eltern werden gerade noch 30 Sekunden Ansprache in vierundzwanzig Stunden zuteil.“

So konnte man es vor Jahren in einer großen deutschen Wochenzeitschrift lesen. Natürlich, ein jeder von uns weiß, wie solche Studien zu bewerten sind; was kann man mit einer Statistik schließlich nicht alles beweisen oder widerlegen…

Dennoch – bei allem Schmunzeln bleibt ja doch ein Kern von Wahrheit. Wenn das Jahr sich zum Ende neigt und noch viel mehr in der Advents- und Vorweihnachtszeit hat man oft das Gefühl, die Zeit zerrinne einem förmlich zwischen den Fingern; Hektik und Trubel überlagern oftmals alles. Gut ist es da, wenn man von Zeit zu Zeit innehält, tief durchatmet, den Blick wieder freibekommt für das, worum es in diesen Tagen wirklich geht.

Advent ist ja eigentlich eine Zeit der Vorbereitung, eine Zeit des Stillwerdens vor dem Fest der Geburt Christi. Wenn es oft genug nicht so scheinen will, auch für uns kann diese Zeit so gefüllt werden.

Bei uns in der Familie wird darum – wir haben diese Tradition von meiner Zeit als Militärpfarrer in den Niederlanden mitgebracht…– der Weihnachtsbaum (übrigens ein künstlicher Baum mit eingebauten Lichtern – den ersten haben wir vor Jahren aus den USA mitgebracht…) auch schon ab dem Nikolaustag wieder aufgestellt, als ein kleines Erinnerungszeichen dafür, dass die Zeit des Advents eben nicht nur bestimmt sein sollte durch einen vollen Terminkalender.

Dass dies auch für Sie und Ihre Familien so sein möge und für Sie die kommenden Monate des zu Ende gehenden Jahres 2025 zu einer guten und segensreichen Zeit werden mögen, das wünscht Ihnen von Herzen

Pastor Dr. Christian Anders Winter

Sind wir nicht alle einzigartig?

So einzigartig wie der gepunktete Fisch auf der Titelseite unseres neuen Gemeindebriefes?

Wen sollen eigentlich diese grauen Fische drumherum darstellen? Identifiziert sich wirklich jemand mit denen? Was macht einen einzigartigen Menschen überhaupt aus?

Menschen unterscheiden sich sowohl aufgrund ihrer Erbanlagen als auch aufgrund ihrer Erziehung und dem, was sie in ihrem Leben erlebt haben. Sie unterscheiden sich in ihren Überzeugungen und Sichtweisen, in ihrer Persönlichkeit, in ihrer Kreativität, in punkto Intelligenz, in ihren Lebenszielen, auch aufgrund ihrer Intuition, ihrer Authentizität und ihrer Beziehungen uvm.

Wir alle sind wie der gepunktete Fisch, wir alle sind „bunt“. Und zwar nicht nur Nordfriesland ist bunt, wie es auf den vielen Fahnen der Demonstration (siehe S. 3) zu lesen war, sondern die ganze Welt ist bunt.

Wie können wir in unserer Einzigartigkeit aber zusammenleben?

Wenn wir erkennen, dass auch der andere – der Nächste – „bunt“ (also: anders) ist, dann können wir unsere „Ellenbogen“ wieder einfahren und freundlich, höflich, respektvoll auf ihn/ sie zugehen. (Ver-)urteile nicht bzw. urteile nicht über den anderen, denn du kennst seine Geschichte (oft) nicht! Du lebst ja nicht sein /ihr Leben, gehst nicht in seinen/ihren Schuhen!

„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“, so sagte es Jesus.

„Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem and‘ren zu.“, so sagt es der Volksmund. Das ist ein guter Anfang!

Ich wünsche Ihnen und Euch eine bunte Frühlingszeit mit einzigartigen Menschen!

Ihr/Euer Kirchenmusiker und Küster,
Mirko March