Kirche im Wandel – von Propst Mathias Lenz

Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu.
Ich frage: Muss das wirklich sein?

„Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu“ – die Jahreslosung aus der Offenbarung nach Johannes ist ein Zuspruch. Sie tröstet Menschen in Not und Bedrängnis, verbreitet Zuversicht und macht Mut, mit Neugier und Gottvertrauen Schritte in die Zukunft zu gehen.

Die Jahreslosung ist aber auch eine Herausforderung. Weil es auch darum geht, gewohnte Wege zu verlassen und sich auf eine gänzlich neue Situation einzustellen. Das kann auch zu Verunsicherung führen und zu dem Gefühl von Verlust und Wehmut. Kein Wunder, wenn einem dann der Stoßseufzer auf den Lippen liegt: Muss das wirklich sein?

Die Kirche insgesamt und auch unser Kirchenkreis Nordfriesland stehen vor einer solchen Herausforderung oder besser: Wir stehen schon mittendrin. Gerade im letzten Jahr 2025 ist das deutlich geworden. Das lag besonders daran, dass es zeitweise 11 Pfarrstellen gab, die nicht besetzt waren. Die Kirchengemeinderäte in den betroffenen Gemeinden haben mit bewundernswertem Engagement die Arbeit weitergeführt, viele Ehrenamtliche haben sich verstärkt in den gemeindlichen Angeboten und teilweise auch in der Gottesdienstgestaltung engagiert und Pastorinnen und Pastoren haben mit großer Selbstverständlichkeit zusätzliche Aufgaben in der Vertretung übernommen.

Ich finde es großartig, wie viel Miteinander und Hilfsbereitschaft es gab und gibt. Und wir werden mit Blick auf die Zukunft darauf aufbauen müssen.
Denn es gibt immer weniger Pastorinnen und Pastoren. Nach den gegenwärtigen Prognosen wird sich die Zahl der Pastorinnen und Pastoren in der Nordkirche bis 2036 nahezu halbieren (von ca. 1400 auf ca. 750/700).

Deshalb machen wir schon jetzt die Erfahrung, dass sich auf Ausschreibungen keine Interessierten melden, beziehungsweise bewerben. Hinzu kommt, dass auch die finanziellen Mittel weniger werden. Bereits im Jahr 2025 hatte der Kirchenkreis Nordfriesland erhebliche Mindereinnahmen bei den Kirchensteuern zu verkraften. Die Prognosen für die kommenden Jahre lassen keine Verbesserung erwarten, die finanziellen Spielräume werden in der gesamten Landeskirche enger, also auch bei uns.

Ein wesentlicher Grund für die schwindenden Einnahmen ist – neben demografischen Faktoren – die bleibend hohe Zahl von Kirchenaustritten. Dieser Trend hängt mit einer dritten Entwicklung zusammen: Die Bedeutung von Kirche hat sich deutlich gewandelt. In unserem Kirchenkreis ist die Kirchlichkeit zwar noch stark verankert, aber auch wir merken, dass sich die „Nachfrage“ nach kirchlichen Angeboten verändert hat. Mich macht betroffen, dass mir Ehrenamtliche bei meinen Besuchen in den Kirchengemeinden erzählen, dass sie von Freunden und Kollegen gefragt werden: „Wieso bist Du noch immer bei dem Laden?“ Das tut weh.

Nehme ich all dies zusammen, dann steht für mich fest: Eine Kirche, aus der Jahr für Jahr mehr Menschen austreten und die trotzdem versucht, alle Angebote und das vertraute Gemeindeleben aufrechtzuerhalten, kann es nicht mehr geben. Das Bild der Ortskirchengemeinde mit Kirche, Gemeindehaus und Pastorat wird sich verändern. Wir werden uns von unseren bisherigen Vorstellungen von Kirche trennen müssen und ebenso von einigen kirchlichen Gebäuden. Es wird auch nicht mehr die Pastorin oder den Pastor geben, die oder der nur für einen Ort zuständig und 24/7 ansprechbar ist.

Tiefgreifende Veränderungen also – aber auch ein Schritt auf dem Weg zu einer neuen Form von Kirche, da bin ich mir sicher. „Gott spricht: Siehe ich mache alles neu“ – ich nehme diese Verheißung im Blick auf unsere Kirche persönlich.

Weil doch auch immer deutlicher wird, wie wertvoll unser christlicher Glaube, das Vertrauen auf und die Ehrfurcht vor Gottes Gegenwart, die Orientierung an Worten und Wirken Jesu und die Freude an der Fülle des Heiligen Geistes, für das Zusammenleben von Menschen und für das Leben jedes einzelnen ist.

Wir haben als Kirche etwas zu sagen und zu wagen!

Lassen Sie uns dazu gemeinsam auf den Weg machen. Lassen wir uns leiten von dem Bild einer Kirche, die in vielfältigen Formen Gemeinde und Gemeinschaften bildet. Einer Kirche, die sich an der Region orientiert. Einer Kirche, die viele Gesichter hat – von haupt- und ehrenamtlichen Menschen. Wo manches improvisiert ist, wo mutig experimentiert wird und in der vor allem Freude herrscht. Und in der die christliche Überzeugung von Gottes Menschenliebe und von der Würde eines jeden Menschen wieder eine größere Rolle spielt und weniger die Ansicht, dass Kirche einfach irgendwie dazu gehört. Vor allem wird es aus meiner Sicht eine Kirche sein, die sehr viel deutlicher als früher merkt, mit wem sie es zu tun hat, wenn sie bekennt:

„Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer…“

– nämlich mit dem dreieinigen Gott, der seine Menschen in Bewegung bringt, weil er sagt: „Fürchtet euch nicht!“, aber auch: „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und meine Wege sind nicht eure Wege“ (Jes 55,8).

Ich bin sicher, dass es gute Gedanken sind, die Gott für uns hat. Und dass es gute Wege sein werden, die wir gemeinsam finden.

Ihr Propst Mathias Lenz

Bericht von der Kirchenkreissynode Nordfriesland

Tagung am 07. März 2026 in Breklum

Propst Mathias Lenz hat an diesem Wochenende die Synode des Kirchenkreises Nordfriesland über den Stand des Transformationsprozesses in den Kirchengemeinden und im Kirchenkreis informiert. Dabei lag sein Augenmerk vor allem auf vier Punkten: Kirche bleibt in Nordfriesland trotz aller Schwierigkeiten in der Fläche präsent, kirchliche Gebäude bieten Möglichkeiten und sind Herausforderung zugleich, die Finanzen sind ein kritischer Faktor und Kreativität und kluge Ideen sind nötig, auch wenn es zum Teil noch nicht den passenden rechtlichen Rahmen gibt.

„Wir brauchen Phantasie und Energie, um in dieser Situation gemeinsam einen guten Weg in die Zukunft zu finden“, …

….erklärt Propst Mathias Lenz. Ein erster Schritt auf diesem Weg ist die Zusammenarbeit der Gemeinden in Regionen. Die 57 Kirchengemeinden des Kirchenkreises Nordfriesland sind seit September 2020 in neun Regionen aufgeteilt. Nun heißt es, die Regionen mit Leben zu füllen, damit die dort zusammengefassten Kirchengemeinden gemeinsam die anstehenden Herausforderungen angehen können.

„Nur ein Bekenntnis zu Gemeinschaft und Zusammenhalt wird uns stark machen“, schließt Propst Mathias seinen Bericht an die Synode.

Unterschiedliche Geschwindigkeiten, unterschiedliche Herausforderungen

Im Anschluss an den Bericht entspann sich eine lebhafte Diskussion zu den unterschiedlichen Voraussetzungen und anstehenden Herausforderungen in den Kirchengemeinden und Regionen. Hingewiesen wurde dabei auf die besondere Belastung der Ehrenamtlichen in Kirchengemeinden, die teilweise seit Jahren ohne Pastorin oder Pastoren arbeiten müssen. Hier müsse darauf geachtet werden, dass es nicht zur Überforderung der ehrenamtlich arbeitenden Personen kommt.

Allerdings spüren auch die Pastorinnen und Pastoren die steigende Arbeitslast deutlich. Unterschiedlich ist auch der Veränderungsdruck in den Kirchengemeinden: Während in einigen Gemeinden die Situation zum Beispiel aufgrund von Belastungen durch die Gebäude schon angespannter ist, sind andere Gemeinden durch hohe Rücklagen, Fördervereine oder Stiftungen noch gut abgesichert. Alle einen jedoch die Auswirkungen des gravierenden Rückgangs der Kirchenmitglieder sowohl in der Landeskirche als auch im Kirchenkreis Nordfriesland.

„Gerade in dieser Zeit müssen wir als Kirche aber nicht vor Angst erstarren, sondern neue Formen und Möglichkeiten für unsere Kirche finden. Deshalb begrüßen wir als Synode den Transformationsprozess ausdrücklich und danken Propst Mathias Lenz für sein Engagement“, erklärt Prof. Dr. Stefan Krüger, Präses der Synode des Kirchenkreises Nordfriesland.

Genauer Blick auf das Ehrenamt

Besonders in den Blick nahm die Synode an diesem Wochenende auch die Aufgaben von Ehrenamtlichen. Der Politikwissenschaftler Paul Steffen gab einen informativen Überblick über die Bedeutung des Ehrenamtes in Deutschland und in der Nordkirche. Überraschend war die Erkenntnis, dass sich Menschen im Alter zwischen 14 und 75 Jahren fast gleich häufig im Ehrenamt engagieren, im Schnitt ein Drittel, und zwar beständig und intensiv, also über viele Jahre im Schnitt 5 Stunden die Woche.

Zwar sei die Zahl der Ehrenamtlichen in ganz Deutschland, auch in der Landeskirche, seit der Corona-Pandemie gesunken, aber gerade in den vergangenen Monaten würde ein Umdenken einsetzen. Neueste Zahlen würden belegen, dass mittlerweile über 40 Prozent der zurzeit nicht engagierten Personen sich vorstellen könnten, ein Ehrenamt zu übernehmen. Nur wie gewinnt man sie?

Laut des Politikwissenschaftlers Paul Steffen seien dafür fünf Faktoren wichtig: gute Rahmenbedingungen, Anerkennung durch eine angemessene Aufwandsentschädigung und Möglichkeiten sich weiterzuentwickeln. Zudem müsse die Aufgabe als Sinn stiftend empfunden und mit Aktion und einem Gruppenerleben verbunden sein. All dies werde für mehr und mehr Menschen in unruhigen Zeiten wieder wichtiger.

Wichtige Themen für die Zukunft

Transformationen und Ehrenamt – wichtige Themen also, die die Zukunft unseres Kirchenkreises maßgeblich beeinflussen und die Synode vermutlich auch in den kommenden Jahren noch beschäftigen werden. „Die Synode macht deutlich, die Zukunft der Kirche in Nordfriesland wird im gemeinsamen Handeln entschieden. Mit Mut, klaren Prioritäten und einer starken Kultur des Miteinanders sollen die anstehenden Veränderungen aktiv gestaltet werden“, so Synodenpräses Prof. Dr. Stefan Krüger abschließend.

Propst Mathias Lenz

Besetzung unserer freien Pfarrstelle

In unserer Ev.-Luth. Kirchengemeinde Braderup-Klixbüll ist die Pfarrstelle vakant und soll zum nächstmöglichen Zeitpunkt mit einer Pastorin oder einem Pastor mit vollem Dienstumfang (100 Prozent) neu besetzt werden.

Auf diese Pfarrstelle können sich Pastorinnen und Pastoren bewerben, die in einem Dienstverhältnis zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) stehen.

Auch Pastorinnen und Pastoren aus anderen Landeskirchen können sich um diese Pfarrstelle bewerben, wenn ihnen zuvor durch das Landeskirchenamt das Bewerbungsrecht für diese Pfarrstelle zuerkannt wurde.
Die Bewerbungsfrist endet mit Ablauf des 15. März 2025.
Die vollständige Ausschreibung findet ihr hier Stellenvermittlung Nordkirche

Nordfriesland ist bunt und bleibt bunt.

Propst Mathias Lenz sprach am 8. Februar auf der Demonstration für Demokratie und Vielfalt in Leck, hier seine Rede im Wortlaut:

„Liebe Leute, Nordfriesland ist bunt und bleibt bunt. Deutschland ist bunt und bleibt bunt. Und Blaumachen ist keine Alternative für Deutschland! Es ist gut und es ist wichtig, dass so viele von Euch heute hier sind. Und so viele an vielen anderen Orten bei uns in Schleswig-Holstein und in der gesamten Republik.

Es ist gut und wichtig, weil wir ein Zeichen setzen gegen diejenigen, die uns weismachen wollen, eine Mehrheit in diesem Land wolle eine Politik der Ausgrenzung, der Vorurteile und der Hassparolen. Eine solche Politik der Ausgrenzung steht nicht auf dem Boden unseres Grundgesetzes.

Nur zur Erinnerung: Der erste Artikel des Grundgesetzes lautet:

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“.

Die Würde jedes Menschen! Nicht nur der deutschen Menschen, sondern jedes Menschen, ob er aus Syrien kommt oder Afghanistan, aus dem Irak, aus dem Sudan oder aus Somalia. Und ich will auch daran erinnern, warum dies der erste Artikel unseres Grundgesetzes ist. Weil wir in der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erlebt haben, was passiert, wenn völkisches Denken und Demokratieverachtung an die Macht kommen. Was passiert, wenn rechtsextremistisches Gedankengut die Politik bestimmt. Und die nationalsozialistische Ideologie war eine rechts-extremistische Ideologie – da kann eine Frau Weidel so viel Unsinn reden, wie sie will.

Wenn die Würde eines jedes Mensch in einer Gesellschaft, in einem Staat in Frage gestellt oder eingeschränkt wird, dann endet das in einer Katastrophe. Und noch etwas dürfen wir nicht vergessen: Die Not und Verzweiflung der Menschen, die als Geflüchtete in unser Land kommen und in unserem Land leben. Denjenigen, die jetzt die Grenzen dicht machen wollen, sage ich: Denkt doch an die Bilder der Trümmerlandschaften in den Städten Syriens! Denkt an die hungernden Kinder in den Bürgerkriegsgebieten im Sudan und den Dürregebieten Somalias! Denkt an die Unterdrückung von Frauen und Mädchen in Afghanistan!

Die meisten Menschen, die als Flüchtlinge zu uns kommen, waren in ihren Herkunftsländern an Leib und Leben bedroht und suchen Schutz für sich und ihre Familien. Es ist schäbig, daraus ein Bedrohungsszenario für die Sicherheit in Deutschland zu machen. Und ja, es gibt große Herausforderungen, die im Zusammenhang mit Geflüchteten in unserem Land stehen. Und es gibt schreckliche Ereignisse, die Einzelne, die zu uns gekommen sind, zu verantworten haben. Die Trauer und der Schmerz derer, die davon betroffen sind, gehen mir ans Herz und machen mich wütend. Aber daraus Vorurteile zu machen und alle Geflüchteten unter Generalverdacht zu stellen, ist verantwortungslos.

Wir brauchen eine kluge Migrationspolik und keine Migrationspolemik.

Und zum Schluss: Als Christ und als Propst des Kirchenkreises Nordfriesland sage ich: Rassismus, Intoleranz und Demokratiefeindlichkeit sind mit unserem christlichen Glauben und mit unseren christlichen Werten nicht vereinbar. Dieser Haltung wollen hier in Nordfriesland gerade jetzt Stimme und Gesicht geben. Der Gott der biblischen Tradition, der uns auch mit Juden und Muslimen verbindet, hat ein besonderes Auge auf alle Menschen, die bedroht und auf der Flucht sind. An dieser Parteilichkeit Gottes kommen wir als Christinnen und Christen nicht vorbei.

Nordfriesland ist bunt und bleibt bunt. Deutschland ist bunt und bleibt bunt.

Blaumachen ist keine Alternative! Und das ist gut so.

Vielen Dank.“

Quelle: www.kirche-nf.de

Foto: Ev.-Luth. Kirchengemeinde Braderup-Klixbüll